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Öffnungszeiten

Donnerstag - Samstag
15.00 - 18.00 Uhr

Sonntag und Feiertage
11.00 - 18.00 Uhr

Eintritt frei

Montag - Mittwoch
ist reserviert für den Besuch von Schulklassen und privaten Gruppen nach Vereinbarung.

Anmeldung bei Ursula Klemm
Telefon: 02162 - 17106
Email: ursula.klemm@gmx.de

Vielfältiges Programm

Der 'Viersener Salon' in der Villa Marx erlaubt dem Verein nicht nur, historische (und aktuelle) Wechselausstellungen zu realisieren, sondern auch – angelehnt an den Salon-Gedanken des 17. bis 19. Jahrhunderts – im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen den wissenschaftlichen Diskurs zur Kultur im Allgemeinen und zur Stadt-, Regional- und, wie die erste Ausstellung zeigen wird, sogar zur europäischen Geschichte im Besonderen zu pflegen. Konzerte und Lesungen komplettieren das Angebot.

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info@viersener-salon.de

„Der Niederrhein – Schauplatz europäischer Geschichte“

13.06.2014
21.12.2014
Viersener Salon
Villa Marx
Gerberstraße 20
41748 Viersen
Kurator: René Franken

Ein europäisches Thema mit lokaler Bedeutung

Mit der ersten Ausstellung im neuen „Viersener Salon“ wagt der Verein für Heimatpflege e.V. Viersen einen mutigen Schritt. Er betritt Neuland mit der Konzeption des Salons als Ausstellungs- und Veranstaltungsort.


(Ausschnitt aus der Niederrhein-Karte im „Brüsseler Atlas“ des Christian Sgrooten, um 1570)

Intention

Intention der Ausstellungsmacher ist es, zum Auftakt den Blick auf die ganz großen Themen der Geschichte zu werfen. Diese werden als Teil regionaler Ereignisgeschichte des Niederrheins in archivalischen Quellen und Gegenständen aus lokalen und regionalen Sammlungen in die räumliche Geschichte der Umgebung Viersens einbezogen. Eine europäische Dimension muss dabei nicht erst konstruiert werden, sie ist zutiefst in der Geschichte der Region in und um den Kreis Viersen angelegt. Sie war und ist prägend für die Geschichte, Politik und Kultur des Niederrheins und damit auch Viertens.

Inspiration

Inspiration für die Entstehung und die Leitlinie durch die Ausstellung sind die zahlreichen in den vergangenen Jahren in der „Rheinischen Post“ erschienenen Artikel des ehemaligen Kulturdezernenten des Kreises Viersen, Prof. Dr. Leo Peters. Als Fachmann für niederrheinische Geschichte mit besonderem Blick für den Kreis Viersen erörterte er in unregelmäßigen Abständen in der Serie „Vor ... Jahren“ geschichtliche Themen der Region quer durch die Jahrhunderte, die immer auch einen Blick auf die überregionale Sichtweise in diesen Themen eröffnen.

Imagination

Die Ausstellung versteht sich als eine Imagination, eine Vorstellung von dem, wie europäisch man am Niederrhein alleine schon aus Tradition geprägt ist. Heute hat man ein relativ konkretes Bild von dem, was der Niederrhein ist. Man ist sich einig, dass er sich durch Geschichte und Kultur klar von Westfalen abhebt, die Niederlande eigentlich nicht dazu gehören und dass diese trotzdem für seine Entwicklung prägend waren. Im heutigen Sprachgebrauch findet man den Niederrhein demnach ganz im Westen von NRW und hier im konkreten Fall, den mittleren Niederrhein, in den Kreisen Viersen, Krefeld, Neuss, Heinsberg und der Stadt Mönchengladbach. Die naturräumliche Definition ist noch klarer. Damit konzentriert sich das Gebiet, das in dieser Ausstellung behandelt wird, auf das Zentrum der niederrheinischen Bucht nördlich der rheinischen Mittelgebirge.

Somit ist die Verortung für heutige Begrifflichkeiten schon recht konkret. Historisch gesehen ist dieses Bild jedoch ein völlig anderes. Weder in seinem erdgeschichtlichen Aufbau noch in seinen historischen-, politischen- und kulturellen Entwicklungen kann man ihn als kontinuierliche und umgrenzbare Einheit fassen.

Die Gründe für das historisch so heterogene Bild von dem, was der Niederrhein ist, liegen in seiner geschichtlichen Bedeutung als Grenz- und Durchzugsraum mit vielschichtig gelagerten Macht- und Territorialinteressen von europäischer Bedeutung.

Für das engere Rheintal ist durch den Naturraum die Infrastruktur-Ausrichtung in einer Nord-Südachse vorgegeben. Schon zur Römerzeit ermöglichte diese eine wirtschaftlich florierende Urbanisierung. Die für den mittleren Niederrhein relevanten weiten Flächen zwischen Rhein und Maas blieben jedoch historisch betrachtet abseits der Römerstraße Köln–Düren–Aachen und lange im Windschatten wirtschaftlicher und damit politischer Interessen. Gerade diese West-Ost-Richtung sollte jedoch immer wieder Konflikte in die Region tragen.

In der Geschichte sind, besonders im Kreis- und Stadtgebiet Viersens, auf engstem Raum Grenzen prägend geblieben. In diesem Gebiet stießen die wichtigsten mittelalterlichen bis neuzeitlichen Machtbereiche zusammen: Geldern, Jülich-Kleve-Berg, das Kurfürstentum Köln. Erst mit dem Ende des 18. Jahrhunderts ist durch die gemeinsame Zugehörigkeit - erst zum französischen Staatsgebiet und dann zu Preußen - der lokale und regionale Raum territorial homogenisiert worden. Als letzter Schritt des Zusammenwachsens historisch getrennter Räume kann darüber hinaus die kommunale Neuordnung in den 1970er Jahren verstanden werden. Mit dieser wurden die drei historisch und territorial selbständig gewachsenen Städte Dülken, Süchteln und Viersen zu einer Stadt vereint.

Noch heute ist in den ausgeprägten lokalen, emotional vertretenen Identitäten der Stadtteilbevölkerung Viersens die sehr unterschiedlich verlaufene Geschichte und Raumprägung spürbar. Grenzen haben die Geschichte und Landschaft geprägt. Sie sind als ehemalige Territorialgrenzen in Form der Landwehren (Grenzbefestigungen mit Wällen und Gräben) bis heute deutlich in der Landschaft zu erkennen. Grenzmarkierungen wie Grenzsteine, Pfähle und Schlagbäume waren im Stadtgebiet Viersens allgegenwärtig. Sie werden in der Ausstellung als prägendes Element eingesetzt, um im Raumerlebnis des Ausstellungsraumes die Raumprägung des behandelten Gebietes erfahrbar zu machen.

Historische Leitereignisse führen durch die Ausstellung

Die Grenzlage zwischen den wichtigsten Machtbereichen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte bedingte, dass in dieser Region Konflikte ausgetragen wurden oder diese wiederholt als Aufmarsch- und Durchzugsgebiet diente. Frankreich, Burgund, England, Flandern, die Niederlande waren oft die antreibenden Kräfte, die über die aufstrebenden rheinischen Herzogtümer und Kurköln auf den Westen des deutschen Reichsgebiets einwirkten. Besonders prägten den mittleren Niederrhein die vielen Konflikte an seinen Rändern. Die burgundische Belagerung von Neuss im 15. Jahrhundert, der Friede von Venlo im 16. Jahrhundert sowie die zahlreichen Durchzüge spanisch–niederländischer Truppen im niederländischen Hundertjährigen beziehungsweise im deutschen Dreißigjährigen Krieg bis hin zu den französischen Revolutionstruppen sogen die Lebensgrundlage der Einwohner aus und bremsten sie konstant in ihrer Entwicklung gegenüber der Umgebung aus.

Die Autoren der Ausstellung haben entlang einer Auswahl wichtiger Ereignisse für die Region mittlerer Niederrhein ein Ausstellungskonzept entwickelt, das diese Entwicklungen an ausgewählten Leitereignissen nachzeichnet. Dazu werden die Texte vom ehemaligen Kulturdezernenten des Kreises Viersen, Prof. Dr. Leo Peters, eingesetzt, die in regelmäßigen Abständen als Zeitungsserie in der Rheinischen Post erschienen sind. Sie präsentieren die Themen besonders anschaulich, prägnant und leicht verständlich. Beispielsweise findet man dort den Einmarsch Karls des Kühnen von Burgund auf seinem Weg zur einjährigen Belagerung der Stadt Neuss im 15. Jahrhundert. Der mächtige Burgunderherzog eroberte in seinem Machtstreben zwischen Frankreich und Deutschland im Jahre 1473 mit dem Herzogtum Geldern weite Teile des Niederrheins. Dabei nutzte er das damalige jülichsche Amt Brüggen, das große Teile des heutigen Kreises Viersen umfasste, zur Aushebung von Kontributionen (Zwangsabgaben), um seine Truppen zu versorgen. Blutige Kämpfe und die Leiden der Bevölkerung sind in der Region gründlich dokumentiert und ein anschauliches Beispiel für die Bedeutung der Region in der internationalen Politik zwischen Burgund, Frankreich und dem Deutschen Reich.

Für das 16. Jahrhundert ist dabei die Geschichte des „Tractaat“ von Venlo beispielhaft, das Peters besonders hervorhebt. Kaiser Karl V., deutscher Kaiser, geborener habsburgischer Spanier, in dessen Reich die Sonne nie unterging, sicherte sich damit 1543 nach kurzem heftigem Krieg das Herzogtum Geldern. Teile des heutigen Kreises Viersen kamen damals nach dem Friedensschluss von Venlo in den Herrschaftsbesitz der habsburgischen Monarchie. Dieser Friede hatte jedoch weitergehenden Einfluss nicht nur auf das ganze Rheinland, sondern bis hin in die hohe Diplomatie zwischen Frankreich und Heinrich VIII. von England. Kaiser Karl V. stellte darüber hinaus mit der Unterwerfung des Herzogtums Jülich-Kleve-Berg sicher, dass der Westen des deutschen Reichsgebietes katholisch blieb und die Reformation bis ins 17. Jahrhundert in der Region keine Rolle mehr spielen konnte.

Weitere Leitereignisse der Ausstellung führen über die frühen Reformationsversuche in der Region, den Dreißigjährigen Krieg, die Franzosenzeit bis an den Beginn des 19. Jahrhunderts und man bekommt immer wieder einen Einblick in die Folgen der geschichtlichen Ereignisse für die Region und die Bedeutung der Region für diese Ereignisse.

Themenbereiche der Ausstellung im Überblick

  • Burgundische Expansion am Niederrhein: Der Einmarsch Karls des Kühnen
  • Geldrischer Erbfolgestreit: Der Friede mit dem „Tractaat“ von Venlo
  • Frühe Reformationsversuche: „Hat ein magt und ein kind“
  • Dreißigjähriger Krieg: Pest und Piccolomini
  • Dreißigjähriger Krieg: Die Hessen erobern Kempen
  • Spanischer Erbfolgekrieg: Der Spanische Erbfolgekrieg beginnt
  • Franzosenzeit: Der unvollendete Nordkanal
  • Franzosenzeit: Vermisst in den Weiten Russlands
  • Aufgrund der Fülle der Materialien, die sich zu den beschriebenen Themen präsentieren ließen, soll die Ausstellung „Der Niederrhein als europäische Region“ als ein erster Überblick gestaltet sein. Sie soll Maßstäbe für die Präsentationsmöglichkeiten im Viersener Salon setzen und ist gleichzeitig Auftakt für eine geschichtlich orientierte Ausstellungsreihe, die verschiedene Aspekte des Themas in separaten Ausstellungen in den folgenden Jahren präsentieren wird.

    Anbindung an den Schulunterricht

    Die Ausstellung bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte an die Themenbereiche der Lehrpläne im Primarbereich, in der Sekundarstufe I und II, in den Fächern Geschichte, Religion, Politik und Geografie. Ergänzend zur Ausstellung werden Materialien erstellt, die die unterrichtliche Einbindung der Themen der Ausstellung erleichtern.

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